Das Antlitz des Bösen

Kolumne: Das Antlitz des Bösen

Das Antlitz des Bösen

Das Böse hat ein GesichtAus gegebenem Anlass soll sich mein erster Kolumnenbeitrag in diesem noch jungfräulichen Blog um das Böse und seine Bilder drehen. Was für ein Einstieg! Dies wird jedoch keine Weihnachtsgeschichte. Um diverse Erwartungen vorab zu zerschmettern, möchte ich darauf in aller Deutlichkeit hinweisen. Sollte ich jemals eine Weihnachtsgeschichte versuchen, so würde sie düster und traurig und garantiert ohne Happy End daher kommen. Warum das so ist, ist eine andere Geschichte.
Wenn ich an das Böse denke, visuell vor allem, habe ich seit meiner frühen Jugend immer, wirklich immer, zuallererst Stephen Kings „Es“ vor Augen: diesen gruftigen Clown mit der roten Nase und den spitzen Zähnen, das zu den Seiten toupierte Hexenhaar. (Ich könnte mir vorstellen, dass, von hinten betrachtet, die eine oder andere kahle Stelle zum Vorschein käme. Darauf komme ich später noch einmal zurück.) Mich gruselt es selbst jetzt, da ich für diesen Text nach inspirierenden Bildern suchmaschiniere.
Pennywise aus Stephen Kings "Es"Bis heute habe ich mich erfolgreich geweigert, das Buch zu lesen oder die Verfilmung in Gänze zu sehen. Aus gutem Grund. Denn, auch wenn mich meine Verweigerung vor Schlimmerem bewahrte, vollständig konnte ich mich den Bildern nicht entziehen.
Dieser Pennywise, der mit der Säufernase, fauchte mich überall an auf Plakaten, in Buchläden und in den Trailern im TV und schaffte es allein schon mit dieser visuellen Präsenz, mir schlaflose Nächte und ein ewig währendes Grauen vor Clowns zu bereiten. Ich wusste zwar schon früh, dass Clowns nicht witzig sind. Dies aber war, Anfang der 1990er Jahre, die endgültige Bestätigung.
Nun sehe ich durchaus eine gewisse Ähnlichkeit zu einem anderen Antlitz und komme zu dem gegebenen Anlass:

Beweiskette Das Antlitz des Bösen
Zur Verdeutlichung in grafischer Darstellung: Die Ähnlichkeit liegt auf der Hand.

Was meine skizzenhafte Darstellung beweisen soll: Der Weihnachtsmann ist das Böse!
Der Weihnachtsmann in der zeitgenössischen Darstellung, von einem Getränkehersteller im halluzinogenen Zuckerwahn allein zum Zwecke der Konsumsteuerung erfunden, allseits missbraucht, um Kinder und deren Angehörige aufs Perfideste zu erpressen, benutzt, um Kindern Angst zu machen oder ihnen früh schon das Thema Geschenke nahe zu bringen und um Eltern unter (Kauf-)Druck zu setzen, denn trotz aller guten Vorsätze, können sie ihren quengelnden Nachwuchs nicht gänzlich von all dem Geklingel, Geleuchte und Gewimmel fernhalten.
Der moderne Weihnachtsmann mit seiner roten Winternase (Ja, ja, wer’s glaubt!), der roten Mütze und dem vollen Wallebart … Hat sich schon mal einer gefragt, wofür der Bart gut ist? Zähne verstecken, hm? … Ergo: Der Weihnachtsmann ist das Böse!
Aber ich möchte in diesem Beitrag nicht einfach nur eine schlüssige Theorie vorstellen, nein, ich habe auch einen Lösungsvorschlag: Was tut der Mensch, um seine Ängste im Zaum zu halten? Was tut ein Mensch angesichts des Bösen? – Genau! Er lacht!
Bereits im Spätmittelalter erkannte man zum Beispiel in den Fastnachtsspielen, wie reinigend, erholsam und erfrischend das Lachen über den Teufel, der von einem Bauern ausgetrickst wird, sein kann und wie es den Menschen die Angst vor dem Gehörnten nimmt, wenigstens temporär. Aus diesem Grund warf ich zu Beginn Pennywises Kahlköpfigkeit in den Textraum. Hier liegt somit die Lösung.
Und die wird bereits allerorten praktiziert: Ausgenommen das kleine Menschlein auf dem Schoß des Bösen im Einkaufscenter, sehe ich zur Weihnachtszeit nur fröhliche, lachende Gesichter um mich herum. Die Augen leuchten und strahlen, sind voller Liebe sich selbst und den Nächsten gegenüber. Familien sitzen beieinander und lachen ob des Onkels trivialen Witzes. Es wird sich geherzt und umarmt, beschenkt mit Socken und anderen Staubfängern und alles ist megatoll.
Für jene, denen das mit dem Lachen und Herzen und Frohsinn zu schwierig ist, habe ich abschließend noch einen hilfreichen Tipp: Glühwein! Hilft immer, ich schwör‘!